Es gibt ein Bild von Hannah, das ich nie loswerde. Sie kommt durch die Tür, die Füße schwarz vom Garten, in der Hand ein Strauß Gänseblümchen, halb zerdrückt. Und sie sagt: „Mama, ich habe dir den Sommer mitgebracht." Sie war als Kind ständig barfuß. Im Garten, auf dem Hof, selbst im Herbst, wenn es längst zu kalt war und ich hinter ihr herrief, sie solle doch bitte Schuhe anziehen. Aber Hannah und Schuhe, das war nie eine große Liebesgeschichte. Dieses Mädchen mit den dreckigen Füßen und dem Blumenstrauß, das ist sie bis heute. Ein bisschen wild. Voller Wärme. Und mit diesem besonderen Blick für die kleinen schönen Dinge, an denen die meisten von uns achtlos vorbeigehen.
Liebe Gäste, viele von euch kennen Hannah, seit sie ein kleines Kind war. Ihr wisst also, wovon ich rede. Es gibt einen Moment, den ich euch erzählen muss, auch wenn er nicht leicht ist. Als ihre Oma gestorben ist, war Hannah noch jung. Ich dachte, ich müsste sie trösten. Aber es kam anders. Sie hat sich zu mir gesetzt, ganz ruhig, hat meine Hand genommen und gesagt: „Wir vermissen sie zusammen." Wir vermissen sie zusammen. Kein erwachsener Mensch hätte das besser formulieren können. In diesem Augenblick war sie nicht nur meine Tochter. Sie war jemand, der mich gehalten hat. Und ich glaube, an diesem Tag habe ich zum ersten Mal verstanden, was für ein Mensch da in meinem Haus heranwächst.
Diese Art, für andere da zu sein, sie hat sie nie verloren. Hannah bringt Menschen Kleinigkeiten mit. Keine großen Geschenke. Eine Blume. Eine Postkarte. Ein bestimmtes Gebäck, weil jemand irgendwann einmal beiläufig erwähnt hat, dass er es mag. Und sie hat es sich gemerkt. Sie sagt damit nichts weiter als: Ich habe an dich gedacht. Aber bei Hannah fühlt sich das niemals beiläufig an.
Über Jahre haben wir sonntags telefoniert. Manchmal fünf Minuten, manchmal eine Stunde. Oft gab es gar nichts Wichtiges zu erzählen. Dann rief sie trotzdem an und sagte: „Ich wollte nur deine Stimme hören." Liebe Hannah, ich weiß nicht, ob du ahnst, wie viel mir diese fünf Minuten manchmal bedeutet haben.
Und dann kam Felix. Hannah war immer voller Ideen, voller Bewegung, voller Gefühl. Manchmal alles gleichzeitig. Felix bremst sie nicht. Er bremst sie überhaupt nicht. Er steht einfach stabil neben ihr, ruhig, und gibt ihr genau das, was so ein wirbelnder Mensch braucht. Seit er da ist, wirkt sie noch mehr wie sie selbst. Nicht verändert. Angekommen. Felix, ich bin dir dankbar für diese Ruhe. Pass gut auf sie auf. Und keine Sorge, mit den dreckigen Füßen wirst du schon noch klarkommen.
Hannah, jetzt zu dir. Ich bin so dankbar, deine Mutter zu sein. Du hast mein Leben heller gemacht. Lauter manchmal auch, das gebe ich zu. Aber vor allem reicher. Ich wünsche dir, dass du dir dieses Leuchten bewahrst. Und dass Felix immer der Mensch bleibt, bei dem du damit sicher bist.
Euch beiden wünsche ich ein Leben voller kleiner Mitbringsel. Blumen vom Wegesrand. Sonntagskaffee. Lachen in der Küche. Die Versöhnung nach dem Streit. Und vor allem dieses sichere Gefühl, beim anderen zuhause zu sein. Liebe Gäste, erhebt mit mir die Gläser. Auf Hannah und Felix. Auf den Sommer, den sie sich gegenseitig mitbringen, jeden Tag aufs Neue.