Trauzeugin

Trauzeuginnenrede: emotional & nah

Rolle: Trauzeugin Ton: herzlich & emotional Länge: 3–4 Minuten

„Wenn eine von uns einen miesen Tag hat, schickt sie nur ein einziges Wort: „Pommes?"

Eine emotionale Trauzeuginnenrede über eine tiefe Freundschaft, ein Beispiel, das zeigt, wie kleine, echte Momente eine Rede tragen, ohne kitschig zu werden.

Es fing damit an, dass wir beide am falschen Ort standen. Erstes Semester, vor einem Hörsaal, in den keiner von uns gehörte. Ich war überzeugt, ich sei zu spät. Anna war überzeugt, der Raum sei falsch ausgeschildert. Und wisst ihr, was das Schöne ist? Wir hatten beide recht. Wir waren zu spät und im falschen Gebäude. Statt noch in irgendeine Vorlesung zu hetzen, sind wir Kaffee trinken gegangen. Dieses eine verpasste Seminar habe ich nie nachgeholt. Stattdessen habe ich eine Freundin gefunden, die bis heute geblieben ist.

Anna hat eine Gabe, die man leicht übersieht. Sie merkt sich nicht die großen Dinge, sondern die kleinen. Wie jemand seinen Kaffee trinkt. Welches Lied jemand hört, wenn es ihm schlecht geht. Wann man reden möchte und wann man lieber schweigt. Sie gibt einem das Gefühl, gesehen zu werden, ohne je ein großes Ding daraus zu machen.

Wie sehr das trägt, habe ich gespürt, als meine Mutter krank wurde. Anna hat keine großen Reden gehalten. Sie war einfach da. Jeden Donnerstag stand sie nach der Uni mit Essen vor der Tür. Manchmal haben wir geredet. Manchmal saßen wir nur nebeneinander auf dem Sofa und sagten gar nichts. Einmal bin ich eingeschlafen, und als ich aufwachte, hatte sie meine ganze Küche aufgeräumt. Auf dem Tisch lag ein Zettel. Darauf stand: „Du musst heute nichts schaffen." Diesen Satz habe ich nie vergessen.

Wir haben über die Jahre ein eigenes Notfallsystem entwickelt. Wenn eine von uns einen miesen Tag hat, schickt sie nur ein einziges Wort. „Pommes?" Keine Erklärung nötig. Es heißt einfach: Wir treffen uns. Es gab Pommes nach Prüfungen, nach Jobabsagen und nach ganz normalen, grauen Dienstagen.

Und jetzt sitzt da Tom. Anna war immer stark. Manchmal fast zu stark. Sie hat Dinge allein getragen, die sie nie allein hätte tragen müssen. Seit Tom da ist, wirkt sie ruhiger. Nicht kleiner, nicht weniger selbstständig. Angekommen. Tom gibt ihr einen Ort, an dem sie nicht immer funktionieren muss. Und das sieht man ihr an.

Anna, ich hoffe, du weißt, wie sehr ich dich bewundere. Nicht nur, weil du stark bist, sondern weil du weich geblieben bist. Weil du andere hältst und trotzdem lachst. Weil du in meinem Leben ein Zuhause geworden bist.

Ihr beiden, ich wünsche euch, dass ihr füreinander der Ort bleibt, an dem ihr ehrlich sein dürft. Dass ihr euch nicht nur an den großen Tagen liebt, sondern an den müden Dienstagen, in unaufgeräumten Küchen, in Momenten, in denen die perfekten Worte gerade fehlen. Und Tom, ein Tipp von der besten Freundin: Wenn von Anna mal nur das Wort „Pommes?" kommt, dann frag nichts. Hol einfach den Mantel. Auf Anna und Tom. Auf alles, was kommt.

Mit Redenheld erstellte Beispielrede. Namen sind frei erfunden.

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