Es gibt Menschen, die lernt man kennen, und es gibt Menschen, die teilen einfach ihr Pausenbrot mit dir. Max gehört zur zweiten Sorte. Fünfte Klasse, erster Schultag, ich war neu, nervös und hatte mein Brot vergessen. Da saß dieser Junge neben mir, sah mich an und sagte trocken: „Du siehst aus, als würdest du sonst gleich sterben." Und dann hat er, ohne ein weiteres Wort, sein Brot mit mir geteilt. Das war Max. Ein bisschen frech. Aber sofort da, wenn jemand ihn braucht. Seitdem bin ich ihn nicht mehr losgeworden.
Liebe Gäste, ich bin Tobias, und ich habe heute die Ehre, ein paar Worte über meinen ältesten Freund zu verlieren. Und weil ich ihn so lange kenne, muss ich Ihnen eine Geschichte erzählen. Prag. Wir machen Urlaub. Und Max ist felsenfest überzeugt, dass er Orientierungssinn besitzt. „Ich check nur kurz den Weg zum Hotel", sagt er. Zwanzig Minuten später stehen wir mitten in einer japanischen Reisegruppe. Max hält die Stadtkarte verkehrt herum und nickt interessiert, als würde er jedes Wort verstehen. Am Ende sind wir dieser Gruppe fast eine Stunde gefolgt, weil Max meinte: „Die wirken, als hätten sie einen Plan."
Seitdem nennen wir ihn liebevoll „den Kompass". Wenn heute jemand fragt, wo es langgeht, zeigen alle auf Max und sagen: „Frag den Kompass." Dann weiß man: Wir kommen vielleicht nicht schnell an. Aber lustig wird es auf jeden Fall.
Max ist nämlich jemand, der nichts dem Zufall überlässt. Der Mann kann keine Pizza bestellen, ohne eine Pro-und-Contra-Liste. Margarita zu schlicht. Salami zu vorhersehbar. Funghi, ich zitiere, „strategisch riskant".
Und dann kam Lena. Lena, du hast etwas geschafft, woran ich jahrelang verzweifelt bin. Seit du da bist, sucht Max manchmal in unter fünf Minuten ein Restaurant aus. Für ihn ist das emotionale Hochleistung. Aber es ist mehr als das. Max hat früher alles zerdacht. Reisen, Jobs, sogar Geburtstagsgeschenke. Du sagst nicht: „Denk weniger nach." Du nimmst ihn an die Hand und springst. Und das Verrückte ist: Max springt inzwischen mit. Das hätte ich ihm früher nicht zugetraut.
Max, ich werde jetzt kurz ernst, halt das aus. Du warst für mich immer der Mensch, der auftaucht, wenn es zählt. Nicht laut, nicht dramatisch. Aber da. Als mein Vater krank war, hast du nicht gefragt, ob ich Hilfe brauche. Du warst einfach da. Und heute darf ich für dich da sein. Das bedeutet mir mehr, als ich in einer Rede sagen kann.
Ihr beiden, ich wünsche euch, dass ihr diese Mischung behaltet. Lenas Mut und Max' Talent, alles dreimal zu prüfen. Dass ihr euch zum Lachen bringt, auch wenn der Plan mal nicht aufgeht. Und wenn ihr euch doch mal verlauft, dann geht ihr einfach gemeinsam weiter. Notfalls hinter einer Reisegruppe her. Auf Max und Lena.